Das rechtliche Risiko eines Unternehmens ist keine Gefühlsfrage, sondern eine betriebliche Tatsache – und lässt sich mit zehn Fragen überraschend genau abbilden. Dieser Selbsttest ist die Geschäftsführer-Version des Privatkunden-Quiz: auf Papier, etwa eine Minute pro Frage. Jedes „Ja“ ist ein Risikopunkt – am Ende spricht das Gesamtbild für sich.
1. Kam es in den vergangenen zwei Jahren vor, dass eine Ihrer Rechnungen mehr als 30 Tage unbezahlt blieb? 2. Gibt es einen Kunden, von dem ein wesentlicher Teil Ihres Umsatzes abhängt – und bei dem eine Verschlechterung der Beziehung ein ernsthafter Aderlass wäre?
3. Hängt Ihre Leistung von Lieferanten oder Subunternehmern ab – deren Verzug zu Ihrem Verzug wird? 4. Schließen Sie regelmäßig Verträge ab, die kein Anwalt geprüft hat – aus einer Vorlage, per E-Mail, mündlich?
5. Beschäftigen Sie Mitarbeitende – und sei es auch nur eine Person? 6. Gab es in den vergangenen Jahren eine Kündigung, eine Beendigung eines Arbeitsverhältnisses oder einen ernsteren Konflikt am Arbeitsplatz?
7. Mieten Sie einen Standort, ein Büro, eine Werkstatt – oder vermieten Sie eine Unternehmensimmobilie? 8. Gibt es Firmenfahrzeuge, mit denen Mitarbeitende unterwegs sind?
9. Sind Sie in einem genehmigungspflichtigen oder regelmäßig kontrollierten Bereich tätig (Bau, Gastronomie, Transport, finanznahe Dienstleistungen)? 10. Verkaufen oder schließen Sie online Verträge – Webshop, Plattform, Fernabsatzverträge?
0–2 Ja: Die rechtliche Berührungsfläche des Unternehmens ist schmal – Rechtsschutz ist hier in der Regel nicht die erste Deckung; die Portfolio-Reihenfolge kann mit anderen Elementen beginnen. 3–6 Ja: Die Streitanfälligkeit ist Alltagsrealität – die Punkte zeigen, für welche Module sich ein Angebot lohnt. 7–10 Ja: Das Unternehmen bewegt sich auf streitintensivem Terrain – hier ist die Kombination aus strukturiertem Rechtsschutz und Zusammenarbeit mit einem Anwalt die sinnvolle Richtung. In welchem Band Sie auch gelandet sind: Das Ergebnis ist kein Urteil, sondern eine Landkarte – die Bedarfsanalyse setzt genau hier an.
Der Nutzen der zehn Fragen vervielfacht sich, wenn Sie sie nicht als einmaligen Test, sondern als Führungsroutine einsetzen. Drei bewährte Anwendungen. In der jährlichen Strategierunde: Das erneute Durchlaufen des Selbsttests zeigt, wohin sich das Risikoprofil des Unternehmens verschoben hat – Wachstum bringt in der Regel neue „Ja“-Antworten mit sich, unbemerkt. Vor großen Entscheidungen: ein neuer Markt, ein neuer Partnertyp, die erste Einstellung, das erste Mietobjekt – in die Entscheidungsvorbereitung gehört auch eine Zeile zum Risiko. Und bei der Einbindung von Mitgeschäftsführern: Füllen die Finanz- oder die operative Leitung den Fragebogen getrennt voneinander aus, sind die Unterschiede aufschlussreich – wer sieht wo ein Risiko, und was übersieht jeder? Das rechtliche Risiko ist nämlich kein juristisches Thema, sondern ein betriebliches – und wie jedes betriebliche Thema wird es besser, wenn regelmäßig und strukturiert darüber gesprochen wird. Die zehn Fragen geben diesem Gespräch einen Rahmen; für den nächsten Schritt steht die Bedarfsanalyse bereit.
Zum Abschluss des Fragebogens ein beruhigender Satz: Viele „Ja“-Antworten bedeuten nicht, dass das Unternehmen schlecht läuft – sondern dass es läuft. Die rechtliche Berührungsfläche ist ein Nebenprodukt echter Geschäftstätigkeit: Wo es Kunden, Mitarbeitende und Partner gibt, gibt es auch Reibung. Die Frage ist nie, ob ein Risiko besteht, sondern ob es gemanagt wird – und genau das messen diese zehn Fragen.
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